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Freunde und Förderer des MDR Rundfunkchores Leipzig e.V.

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Beinahe alle deutschen Rundfunkchöre feiern im Jahr 2006 den 60. Jahrestag ihrer Gründung. Auch der Leipziger Rundfunkchor, der heutige MDR Rundfunkchor Leipzig, hätte allen Grund, an den 1 Mai 1946 zu erinnern, wären nicht in den vergangenen Jahren die in die Vorkriegszeit zurück reichenden Wurzeln des Chores wiederentdeckt und freigelegt worden.

An jenem 1. Mai des Jahres 1946 traten etwa 27 Sängerinnen und Sänger unter dem Namen "Kammerchor (Solistenvereinigung) Leipzig" unter der Leitung von Heinrich Werlé in zwei Maifeiern in der Leipziger Gaststätte "Eiskeller" und in den „U.-T.-Lichtspielen auf. Dieses Datum markiert den Neubeginn der Rundfunkarbeit in Leipzig, obwohl dieser Kammerchor noch in keiner Beziehung zum Rundfunk stand. Einem Kenner der ersten beiden Jahrzehnte der Leipziger Rundfunk-Chorgeschichte (Link auf den Beitrag im Archiv: "Wir erinnern an die Gründung der Leipziger Oratorienvereinigung, den ersten Leipziger Rundfunkchor, vor 80 Jahren.") werden beim Betrachten des Programmzettels vom 1. Mai 1946 einige bekannte Namen auffallen: Käthe Brinkmann, Dorothea Schröder und Hans-Herbert Weigel hatten bereits dem Rundfunkchor in der Vorkriegszeit angehört, die Chormitglieder Annemarie Claus- Schöbel und Richard Franz Schmidt traten häufig in Konzerten des Vorkriegschores als Solisten auf und hatten möglicherweise als Aushilfssänger den Chor vor 1943 verstärkt. Der Dirigent Heinrich Werlé schließlich hatte während der 30-er Jahre als Sachbearbeiter für Chor- und Volksmusik beim Leipziger Sender gearbeitet und häufig den Solistenchor bzw. den Chor des Reichssenders Leipzig dirigiert. Im Frühjahr 1946 stand Werlé in Verhandlungen mit dem neu gegründeten Mitteldeutschen Rundfunk, in deren Ergebnis er ab 16. Mai 1946 als Referent für Chormusik angestellt wurde. Es muss ihm bewusst gewesen sein, dass auch der neue Sender nicht ohne einen eigenen Chor auskommen würde; schließlich waren die meisten Tonkonserven im Krieg vernichtet worden, das Repertoire hatte sich gewandelt, eine neue Interpretengeneration begann heranzuwachsen.

So geht Heinrich Werlé, der sich anscheinend selbst gern in der Rolle des Leipziger Rundfunk-Chordirigenten sehen wollte, in die Offensive. Er sucht sich Gleichgesinnte unter den Mitgliedern des Vorkriegschores und findet diese in Käthe Brinkmann, Hans-Herbert Weigel und Erich Purfürst. Diese Gruppe nimmt Kontakt zu anderen ehemaligen Chormitgliedern sowie zu jungen Kräften auf. Am 14. April 1946 lädt Heinrich Werlé die angeworbenen Sängerinnen und Sänger zu einer Besprechung in seine Wohnung ein. Die Einladungskarte an Käthe Brinkmann hat sich erhalten: "Werte Frau Brinkmann, ich erwarte Sie zu gemeinsamer Besprechung aller an der Ausgestaltung des 1. Mai (und später) Beteiligten am Mittwoch, 17. 4., 17 Uhr, in meiner Wohnung. Die beiden Mai (Parallel-)Veranstaltungen finden im Süden hier statt, und zwar ab 18 Uhr. Mit freundlichen Grüßen: Ihr Heinrich Werlé" Die Bemerkung "...(und später)..." belegt, dass sich die Sängerinnen und Sänger nicht nur für die einmalige Ausgestaltung zweier Maifeiern zusammenfinden wollten, sondern dass die gemeinsame Arbeit weitergehen sollte. Aus der Sicht der musikalischen Oberleitung des Mitteldeutschen Rundfunks stellte sich rückblickend die Neugründung des Chores und seine Anbindung an den Sender folgendermaßen dar: "Herr Werlé machte uns nach kurzer Tätigkeit auf die von ihm geleitete ... Leipziger Solistenvereinigung aufmerksam, in der die besten Leipziger Konzertsänger und -sängerinnen zu einem Kammerchor zusammengefasst waren. Nach Abhören dieser stimmlich gut besetzten Vereinigung, entschloss sich der Rundfunk, sie als Rundfunkchor fest zu übernehmen und Herrn Werlé zusätzlich mit der Leitung der ‚Solistenvereinigung des Senders Leipzig‘ zu betrauen."

So markieren die beiden Auftritte vom 1. Mai 1946 den Wiederbeginn der Leipziger Rundfunk-Chorarbeit. Die Übernahme des Chores durch den Sender erfolgt am 1. August 1946. Die erste Sängerin, die vom Mitteldeutschen Rundfunk direkt angestellt wurde, ohne vorher schon dem Kammerchor angehört zu haben, war die Altistin Margot Gleisberg. Sie berichtete, dass ihr Vorsingen Mitte Juli bereits in den Räumen des Rundfunks in der Leipziger Springerstraße und in Anwesenheit von leitenden Mitarbeitern der musikalischen Oberleitung stattfand.

Die Übernahme des Chores war also kein kurzfristig gefasster Entschluss des Rundfunks, sondern eine durchdachte und länger geplante Entscheidung.

Von den Chormitgliedern der Vorkriegsgeneration gehörten Dorothea Schröder, Ursula Thate, Käthe Brinkmann, Irmgard Fritzsche, Erich Purfürst und Hans-Herbert Weigel dem neu gegründeten Rundfunkchor an. Bis 1947 stoßen auch Hans Heimbach und Richard Einhorn wieder dazu. Edith Hasselmann findet sich nur noch auf der Liste des Aushilfschores, ebenfalls Irmgard Genzel-Roehling, die über den Bruckner-Chor in Beziehung zum Rundfunkchor gekommen war. Die Namen anderer Sängerinnen und Sänger, die häufig als Solisten im Programm der MIRAG und des Reichssenders Leipzig auftraten, oft in Verbindung mit dem Chor, werden nun feste Mitglieder: Mathilde Achtelik, Annemarie Claus-Schöbel, Richard Reinelt und Friedrich Härtel. Es darf vermutet werden, dass sie, oder doch wenigstens einige von ihnen, vor 1941 dem Aushilfskreis des Rundfunkchores abgehört hatten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Welt grundlegend verändert: Die Bevölkerung war durcheinander gewirbelt worden, unzählige Männer hatten als Soldaten auf den Schlachtfeldern und viele Zivilisten bei Angriffen in den Städten ihr Leben lassen müssen, die Soldaten, die das Grauen des Krieges überlebt hatten, befanden sich in Gefangenschaft, alle Werte und Strukturen hatten sich verändert. Zunächst war eines wichtig: das materielle Leben zu sichern, zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, welch ungeheure Leistung es war, einen Chor zu gründen!

Bemerkenswert an der Leipziger Neugründung ist die Tatsache, dass die Initiative nicht vom Rundfunk ausging, sondern von erfahrenen und engagierten Chormitgliedern und einem dem Chor schon lange verbundenen Dirigenten.

Diese Identifikation mit dem Chor, dieses Engagement für das Ensemble, sollte eine wesentliche Eigenschaft des Leipziger Rundfunkchores bis in die Gegenwart bleiben.

1) Brief der Musikalischen Oberleitung des Senders Leipzig an die Staatliche Hochschule für Theater und Musik Halle vom 10. November 1948. Abschrift in UA Halle: PA Nr. 26027

Abbildungen

Abb. 1:
Programmzettel der Neugründungskonzerte
vom 1. Mai 1946

Abb. 2:
Heinrich Werlé

Abb. 3:
Postkarte des Dirigenten Heinrich Werlé an die Sängerin Käthe Brinkmann

Abb. 4:
Käthe Brinkmann

Abb. 5:
Erich Purfürst

Abb. 6:
Hans-Herbert Weigela

Wir erinnern an ...

... die Neugründung des Leipziger Rundfunkchores am 1. Mai 1946

Abb.1 Die Detailansicht finden Sie unten)